Im Sinne eines offenen Meinungsaustausches veröffentlichen wir hier die aktuellen Entwicklungen zum Thema "Wiederaufbau der Ulrichskirche". Wir erlauben uns, ausgewählte gegenteilige Meinungen zu kommentieren. Wir bitten darum, antichristliche und antireligiöse Argumentationen zu unterlassen. Der Vorstand des Kuratoriums Ulrichskirche e.V.
Die Vorstandsmitglieder Uwe Thal, Dr. Volkmar Stein und Dr. Tobias Köppe besuchten im Landesverwaltungsamt die Abteilung "Stiftungen", um sich über die Voraussetzungen für eine Stiftungsgründung zu informieren. Die Hallenser Mitarbeiterinnen gaben fundierte Auskünfte und berieten kompetent. Viele Anregungen wurden gegeben. Eine Unterstützung in allen Stiftungsfragen wurde zugesichert, eine Stiftungsbegleitung angeboten.
Das Kuratorium Ulrichskirche e.V. führte im Alten Rathaus eine öffentliche Informationsveranstaltung zum Thema "Die Wiedererrichtung der Magdeburger Ulrichskirche" durch. Rund 140 Magdeburger nahmen an der Veranstaltung teil. Nach einem ca. 45-minütigen Vortrag des Vorsitzenden Dr. Tobias Köppe wurde erstmalig ein 3D-Animationsfilm der Ulrichskirche gezeigt, welcher mit Musik von Georg Philipp Telemann unterlegt war. Dieser Film wird in den nächsten Wochen weiter perfektioniert werden. Der Verein möchte ihn später im Infocontainer oder Infocenter am Ulrichplatz zeigen. Nach langem und intensivem Beifall moderierte Herr Rainer Voigt die zweistündige Diskussionsrunde. Dr. Mathias Sens, Matthias Daberstiel von der Spendenagentur in Dresden und Dr. Tobias Köppe beantworteten die Fragen der Magdeburger. Herr Daberstiel ist Fundraisingexperte und Herausgeber des deutschen Branchenmagazins "FUNDRAISER". Die Veranstaltung gab das Stimmungsbild der Bürgerschaft gut wieder, wobei die zustimmenden Wortmeldungen deutlich überwogen.
Mitglieder des Vorstandes und Vereinsmitglieder wurden am Dienstag in Magdeburg professionell zum Thema Fundraising geschult. Referent war Herr Matthias Daberstiel, dem Inhaber der Dresdner "Spendenagentur".
Anlässlich des 450. Todestages von Philipp Melanchton (1497-1560) findet heute für den "Lehrer Deutschlands" ein Festakt in Wittenberg statt, zu dem sich auch die Kanzlerin Andrea Merkel angekündigt hat.
Philipp Melanchton und Matthias Flacius (1520-1575) waren anfänglich gemeinsame Streiter für Luthers Sache in Wittenberg, Melanchton sogar Flacius Lehrer. Nach Weggang von Flacius aus Wittenberg gerieten beide jedoch in einen Streit über kirchliche Fragen, den sie teilweise sehr heftig führten. Die sich bildenden Lager ihrer Anhänger (Flacianer und Philippisten) führten diese theologische Auseinandersetzung fort. Während Philipp Melanchton in Lebensgröße als Denkmal auf dem Wittenberger Marktplatz steht, wird sein "Gegenspieler" Matthias Flacius in Magdeburg noch nicht geehrt. Flacius schrieb aus Magdeburg viele Streitschriften gegen das Interim und gilt als Initiator der Magdeburger Centurien, deren erste fünf Bände in der Ulrichskirche entstanden. Dies gab zunächst der Ulrichskirche und später der ganzen Stadt den Beinamen "Unseres Herrgotts Kanzlei". Anschließend ging Flacius nach Jena und führte das Werk unter gleichem Namen dort fort. Er wird in Jena hierfür mit einer Gedenktafel gewürdigt. In seinem Geburtsort Labin in Kroatien steht ein steinernes Denkmal für ihn. Das Nutzungskonzept des Kuratoriums Ulrichskirche e.V. sieht neben der Daueraustellung der Centurien und einiger Streitschriften ein Gedenken an Matthias Flacius im Citykirchenbereich der wiedererrichteten Ulrichskirche vor. Vom 22. April bis 24. April 2010 findet in Labin in Kroatien ein großes Symposium über die Bedeutung des Mannes statt. Weiter Infos unter http://www.flacius.net/
"20 Jahre und kein bisschen weiser? Ost/West-Erfahrungen in Magdeburg" Diese sehr interessante Talkrunde im Foyer des Schauspielhauses wurde von Journalist Ulrich Wittstock moderiert. Zu Gast waren Katrin Budde, Bernd Joop, Norbert Pohlmann (Forum Gestaltung) und Dr. Eckhardt Peters, ehemaliger Leiter des Stadtplanungsamtes. Neben vielen anderen Themen ging es auch kurz um die Wiedererrichtung der Ulrichskirche und die Frage, ob hier nicht eine zeitgenössische Lösung besser wäre. Dr. Peters bekannte sich zur Ulrichskirche, da er die weiten Räume in der Magdeburger Innenstadt als städtebaulich unvorteilhaft empfindet. So sei für ihn die Kreuzung Breiter Weg/Ernst-Reuter-Allee viel zu weiträumig, allein 12 PKW würden hier nebeneinandergestellt Platz finden, der Fußgänger müßte schauen, dass er es innerhalb der Grünphase noch auf die gegenüberliegende Seite schaffe. Wichtig sei lt. Dr. Peters für städtebauliche Räume, dass man den Passanten auf der anderen Straßenseite noch erkennen kann und nicht nur schemenhaft seine Umrisse sieht. Bezgl. des Hundertwasserhauses erklärte er, dass in Magdeburg nach der politischen Wende ca. 10.000 Neubauten in moderner Architektursprache entstanden sind, so dass dieses einzige Hunderwasserhaus durchaus seine Berechtigung hat. Gleiches gilt für die Ulrichskirche.
Mitglieder des Vorstandes des Kuratoriums Ulrichskirche e.V. besuchten Berlin, um sich über die Fortschritte beim Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses zu informieren. Hier wurde nach Etablierung einer Kommission "Historische Mitte" die Empfehlung gegeben, das fehlende Stadtschloss wiederzuerrichten. Die jetzige Grünfläche spielt in der Diskussion keine Rolle. Neben einem Infocontainer neben dem ehemaligen Standort des Schlosses betreibt der Förderverein auch ein Infocenter am Hausvogteiplatz mit Modellen und Filmvorführungen. Mit den ersten Bauarbeiten wurde bereits begonnen, die archäologische Aufarbeitung der Fundamente erfolgte. Berlin zeigt, wie durch konstruktives Zusammenspiel von Stadt, Land und Bund erfolgreich eine Wiederherstellung einer Stadtmitte erfolgen kann.
Am Donnerstag, den 15. April sendete der Offene Kanal Magdeburg seine einstündige Live-Sendung "Ruf jetzt an!" mit dem Moderator Heiko Herfurth. Das Thema war der geplante Wiederaufbau der Ulrichskirche. Für das Kuratorium beantworteten Pressesprecherin Ellen Richter und Vorstandsmitglied Uwe Thal die Fragen des Moderators und der Anrufer. Diese Sendung ist auf der Internetseite des Offenen Kanals online abrufbar.
Ein Berliner Unterstützer der Wiedererrichtung der Magdeburger Ulrichskirche wies auf diesen Artikel von Richard Schröder im Denkmalspiegel Berlin (Vierteljahresblatt für Denkmalschutz und Denkmalpflege) hin, den wir Ihnen nicht vorenthalten wollen:
Die Ereignisse um die Ulrichskirche im "Deutschen Rom" sind bereits bis zum Vatikan im italienischen Rom vorgedrungen, der darüber über seinen Radiosender berichtet:
Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD) hat sich gegen den Vorwurf des „Wegdelegierens von Verantwortung“ in Sachen Ulrichskirche gewehrt. In dieser stadtbildprägenden Frage sollten die Bürger unmittelbar mitentscheiden dürfen, sagte Trümper auf einer Pressekonferenz im Rathaus, zu der er in Folge der Volksstimme-Berichterstattung eingeladen hatte. (Von Rainer Schweingel)
Ruhig und sachlich trug OB Lutz Trümper seine Argumente zum hochemotionalen Thema Ulrichskirche vor. Die bisher dahinplätschernde Diskussion hatte seit dem 19. März an Dynamik gewonnen. An jenem Tag berichtete die Volksstimme über Trümpers Vorschlag, über den Wiederaufbau der Ulrichskirche per Bürgerentscheid abstimmen zu lassen. Damit hatte Trümper selbst für eine neue Stufe der Debatte um den Wiederaufbau der Ulrichkirche gesorgt. Nun spaltet die Idee eines Bürgerentscheids die Magdeburger ebenso wie die Sache selbst. Zuletzt hatte der Magdeburger Politikwissenschaftler Wolfgang Renzsch in einem Volksstimme-Interview unter anderem gesagt: „Ein Bürgerentscheid ist kein Ersatz für die repräsentative Demokratie, sondern ihr Korrektiv“. Insbesondere diese Aussage traf Trümper empfindlich, denn diese seiner Meinung nach einseitige Auslegung seiner Bürgerentscheid-Idee hält er für falsch. Trümper: „Die Gemeindeordnung sieht ausdrücklich zwei Wege für die Einleitung eines Bürgerentscheids vor. Den über einen Stadtratsbeschluss sowie den Weg über ein Bürgerbegehren. Einen besseren oder schlechteren Weg gibt es dabei nicht.“ Trümper trug vor der regionalen Presse noch einmal seine Argumente vor, wenngleich nicht viele neue darunter waren. Mit der Ulrichskirche, wenn sie denn komme, entstünde eine völlig neue städtebauliche Identität. Da sei es nur gerecht, wenn der Bürger mitentscheide, sagte er unter anderem. Am Dienstag hatte Trümper in der wöchentlichen OB-Beigeordnetenrunde eine entsprechende Drucksache auf den Weg gegeben. Sie beinhaltet den Vorschlag eines Bürgerentscheides und geht nun ihren parlamentarischen Weg durch die Ausschüsse. In der Juni-Sitzung soll der Stadtrat entscheiden, ob ein Bürgerentscheid stattfinden soll oder nicht. Die Fragestellung für den möglichen Bürgerentscheid wurde inzwischen verändert. Hatte Trümper bei seinem Vorschlag Mitte März noch davon gesprochen, direkt über den Bau der Ulrichskirche zu entscheiden, soll nun (siehe Info-Kasten) darüber entschieden werden, ob das städtische Grundstück für den Bau der Ulrichskirche dem Kuratorium übertragen werden soll. Trümper betonte: „Die Magdeburger sollen nicht entscheiden, ob die Ulrichskirche wieder aufgebaut werden soll. Vielmehr soll die Entscheidung in die Hände der Magdeburger gelegt werden, ob die für einen Wiederaufbau unabdingbar erforderliche Voraussetzung – die Bereitstellung des Grundstückes – durch die Stadt geschaffen werden soll.“ In der Sache aber macht das keinen Unterscheid und ist – aus rechtlichen Gründen – eher eine Formfrage, um der Gemeindeordnung zu entsprechen. Die schreibt vor, dass ein Bürgerentscheid nur über eine wichtige Gemeindeangelegenheit stattfinden kann. Der Bau selbst ist keine Gemeindeangelegenheit, die Grundstücksübertragung aber schon. Fakt ist: Sollte es zu einem Bürgerentscheid kommen und die Mindestwahlbeteiligung erfüllt werden, wird sich der Stadtrat anschließend kaum dem Bürgervotum widersetzen können. Der Bürgerentscheid soll zeitgleich mit der Landtagswahl am 20. März durchgeführt werden. Dass Trümper gerade jetzt auf eine Entscheidung drängt, begründet er so: „Der Verein ist seit Jahren aktiv. Da ist es gegenüber dem Kuratorium Ulrichskirche nur fair, die Position der Stadt zum Vorhaben zu entscheiden. Wir können ja das Kuratorium nicht jahrelang sammeln lassen und am Ende sagen: April, April. Deshalb jetzt die Entscheidung, damit alle wissen, woran sie sind.“ Unterdessen haben sich am Abend sechs Ortsvereine der SPD zur Ulrichskirche geäußert. Fazit: Einen Bürgerentscheid schließen sie nicht grundsätzlich aus, halten den Termin 20. März 2011 für verfrüht. „Das Kuratorium muss erst die Chance haben, in Vorleistung zu gehen, das Projekt vorzubereiten, Bauplanungen zu erstellen und konkrete Finanzierungs- und Nutzungskonzepte vorzulegen“, sagte Jens Rösler vom SPD-Ortsverein Ost der Volksstimme. Nach bedingungsloser Unterstützung des Parteikollegen Lutz Trümper klingt das nicht. Weitere Diskussionen sind also zu erwarten, sachlich wie emotional.

"Alte Baupläne, originale Materialien, Wiedererrichtung an historisch angestammten Platz, weitgehend die frühere Nutzung"...Legitimation für die Wiedererrichtung der Magdeburger Ulrichskirche:
Ein Radiointerview mit Vorstandsmitglied Ellen Richter ist auf dem MDR-Jugendsender Sputnik am Mittwoch zwischen 6 und 18 Uhr mehrfach zu hören. Weitere Infos zur Ulrichskirche finden Sie auch unter:
www.sputnik.de/programm/sendungen/update/ulrichskirche-reloaded
Soll die Ulrichskirche mit privaten Mitteln wieder aufgebaut werden? Diese Frage
spaltet die Magdeburger. Für zusätzlichen Zündstoff sorgt der Vorschlag von OB Lutz Trümper (SPD), über die Ulrichskirche mit einem Bürgerentscheid abstimmen zu lassen. Aber: Ist das Instrument geeignet? Volksstimme-Redakteur Rainer Schweingel sprach darüber mit dem Magdeburger Politikwissenschaftler Prof. Wolfgang Renzsch.
Volksstimme: Was halten Sie von Bürgerentscheiden?
Prof. Wolfgang Renzsch: Bürgerentscheide als Mittel der direkten Demokratie halte ich grundsätzlich für sinnvoll. Paradebeispiel dafür ist ja die Schweiz mit ihrer Vielzahl an Bürgerentscheiden. Sie wird ja deshalb auch als Referendum-Demokratie bezeichnet. Die Folgen sind durchaus positiv: Dort gibt es niedrigere Steuern, die öffentliche Verschuldung ist geringer und generell ist die Politik bürgernäher.
Volksstimme: Wer zieht einen Vorteil, wer einen Nachteil aus einem Bürgerentscheid?
Prof. Wolfgang Renzsch: In der Regel haben die eher konservativ geprägten Parteien
Angst vor Bürgerentscheiden. Die Erfahrung zeigt aber, dass diese Skepsis unbegründet ist.
Die Ergebnisse von Bürgerentscheiden sind eigentlich nie radikal, sondern vielmehr moderat konservativ. Die häufig aus der politisch linken Ecke stammenden Bürgerentscheid-Forderungen werden deshalb beim Referendum selbst meistens nicht erfüllt.
Volksstimme: Ist ein Bürgerentscheid das richtige Instrument, über die Ulrichskirche entscheiden zu lassen?
Prof. Wolfgang Renzsch: Bei mir drängt sich der Eindruck auf, als wollten sich gewählte Vertreter, in dem Fall auch der OB, aus ihrer Verantwortung stehlen. Der Bürgerentscheid ist kein Ersatz für die repräsentative Demokratie, sondern ihr Korrektiv. Damit meine ich: Die gewählte Volksvertretung, also der Stadtrat, sollte das Thema Ulrichskirche gründlich diskutieren und kompetent eine Entscheidung treffen, zum Beispiel auch die Frage der Nutzung und Folgekosten. Sind die Bürger mit dieser Entscheidung nicht einverstanden, können sie über ein Bürgerbegehren einen Bürgerentscheid erzwingen. Das ist der richtige Weg. Der Bürgerentscheid sollte also nicht von oben nach unten gehen, sondern von unten nach oben wachsen. Erst darüber reden, dann entscheiden Ein lehrbuchreifes Beispiel dafür liefern die Hamburger, die auf diesem Weg über einen Schulkompromiss entscheiden wollen. Ein Bürgerentscheid von oben gerät leicht auch in den Geruch eines manipulativen Verfahrens.
Volksstimme: Wo genau sehen Sie Manipulationsgefahr?
Prof. Wolfgang Renzsch: Ich sage nicht, dass der OB hier manipulieren will. Aber ein
Blick in die Geschichte zeigt, dass mit geschickter Fragestellung und nicht ausreichender Vorinformation eine Beeinflussung möglich ist. Ich denke da an so manchen Volksentscheid nach dem Zweiten Weltkrieg wie etwa zur Enteignung.
Volksstimme: Untergräbt ein Bürgerentscheid die Autorität des gewählten Gremiums Stadtrat?
Prof. Wolfgang Renzsch: Die Gefahr besteht. Es gilt ja das Prinzip des unabhängigen Abgeordneten resp. Ratsherrn. Er soll verantwortungsbewusst bewerten, das Thema verhandeln und entscheiden und nicht die Verantwortung nach außen delegieren. Der Stadtrat ist ein kommunales Parlament. Im Wort Parlament steckt das französische „parler“, was so viel bedeutet wie „reden“, „verhandeln“. Deshalb sage ich: Erst darüber reden, dann entscheiden und danach können die Bürger der Entscheidung widersprechen und über ein Bürgerbegehren einen Bürgerentscheid einfordern.
Volksstimme: Kritiker sagen: Ein Bürgerentscheid wäre beim steuerfinanzierten Stadionbau oder der Tunnelentscheidung angebrachter gewesen als bei der Ulrichskirche, die mit privatem Geld errichtet werden soll. Sehen Sie das auch so?
Prof. Wolfgang Renzsch: Nein. Auch hier gilt für mich das Prinzip: Erst die Entscheidung und dann, wenn Teile der Bürgerschaft mit der Entscheidung nicht einverstanden sind, über ein Bürgerbegehren den Bürgerentscheid dagegen einleiten. Dann wird man erfahren, ob die Bürger mit den Entscheidungen des von Ihnen gewählten Rates einverstanden sind oder nicht. Die Tunnelgegner haben das aus meiner Sicht verpasst. Die letzte Kommunalwahl hatte gezeigt, dass insbesondere Tunnelgegner aus Stadtfeld besonders viele Stimmen auf sich vereinen konnten. Das hätten die Tunnelgegner nutzen können für ein Bürgerbegehren, haben sie aber nicht. Sie haben die ihnen zustehenden Möglichkeiten nicht genutzt. Der Vorwurf, dass kein Bürgerentscheid von der Stadt herbeigeführt wurde, ist nicht berechtigt und fällt aus meiner Sicht damit auf die Tunnelgegner zurück.
Das Kuratorium Ulrichskirche e.V. wünscht Ihnen ein gesegnetes Osterfest! Die Ulrichskirche wurde am 05. April 1956 gesprengt. In diesem Jahr fällt dieser Gedenktag auf Ostermontag. Aus diesem Anlass lädt das Kuratorium Ulrichskirche an diesem Tag zu einem informativen Osterspaziergang ein. Auf einer Stadtführung der besonderen Art erzählt unser Vereinsmitglied Siegfried Wronna, der auch Domführer ist, Historisches über die gesprengten Altstadtkirchen an den Bronzemodellen der Ulrichskirche, Heilig-Geist-Kirche, St. Katharinen-Kirche und Jacobi-Kirche. Angesteuert wird auch die Ausstellung über die gesprengten Kirchen in der Altstadtgemeinde/Wallonerkirche. Treffpunkt am 05. April ist um 14 Uhr am Bronzemodell der Ulrichskirche vor dem Café Alex. Der Osterspaziergang dauert etwa zwei Stunden und ist kostenlos. Alle Magdeburger und Gäste sind herzlich willkommen!
Vielen Dank an die Helfer und Standbetreuer für Ihre Aufklärungs-und Überzeugungsarbeit am Magdeburger Breiten Weg am Samstag von 10 bis 18 Uhr. Großer Dank gilt auch Vereinsmitglied Herrn Siegfried Wronna und Stadtführer Herrn Dieter Haas für die kurzweilige und sehr informative Führung am Ostermontag entlang einiger gesprengter und abgetragener Innenstadtkirchen sowie durch die Ausstellung "Verlorene Kirchen" in der Wallonerkirche. An dieser ersten Führung ihrer Art nahmen 53 Magdeburger und Gäste teil. Unser Verein bemüht sich nun beim Stadtführerverband und bei Magdeburg-Information um die feste Etablierung der Führung im touristischen Angebot der Landeshauptstadt.
Die Magdeburger Ulrichskirche ist physisch noch präsent, sie ist keineswegs verschwunden. Wir fügen daher am Ostersonntag, das Kapitel "Unterkirche" zu unserem Webauftritt hinzu, um den unterirdischen Baukörper zu beschreiben. Die Magdeburger Ulrichskirche hat - wie die Dresdner Frauenkirche auch - eine "Ruine", diese liegt bloß unterirdisch! Das Kuratorium Ulrichskirche e.V. hält die Freilegung und Untersuchung der Unterkirche (Krypta, Fundamente und Grabkammern) für einen essentiellen Schritt innerhalb der Debatte um den Wiederaufbau der kulturhistorisch bedeutenden Ulrichskirche. Archiveinträge geben viele Hinweise, Experten aus der Archäologie erwarten interessante Funde:
Das ZDF berichtet: Die Bürgermeisterin von Wismar, Dr. Rosemarie Wilcken, macht sich den Wiederaufbau der Wismarer Georgenkirche zur Lebensaufgabe. Der Bürgermeisterin kann es nicht schnell genug gehen. 40 Millionen Euro wurden für das Projekt benötigt. Fast jeder Wismarer Bürger hat für das Bauwerk gespendet. Für die Menschen von Wismar ist St. Georgen im Laufe der Jahre wieder zum Mittelpunkt der Stadt geworden, nachdem das ruinöse Bauwerk zu DDR-Zeiten fast eingestürzt wäre. Die Kirche befindet sich sogar im Besitz der Stadt, um das Nutzungskonzept gab es kontroverse Diskussionen. Die St. Georgen Kirche dient als offene Kirche für alle Wismarer und Besucher. Neben einer profanen städtischen Nutzung nutzt die Kirchgemeinde St. Marien-St. Georgen die Kirche auch für christliche Belange. Eine Bürgermeisterin mit Vorbildfunktion!
Entscheid gegen den Bau ist kein Schutz fürs Grün
Kirche kontra Grünfläche? Immer wieder wird in der Diskussion um den Wiederaufbau der Ulrichskirche das Argument der "letzten grünen Oase" bemüht. Man sollte allerdings bedenken, dass die Frage des vom OB vorgeschlagenen Bürgerentscheides nicht lautet: "Wollen Sie, dass der Ulrichplatz unbebaut bleibt?" Ein Entscheid gegen den Kirchenbau garantiert den Magdeburgern keineswegs, dass der Platz nicht anderweitig vermarktet wird. Warum sollte der Stadtrat dieses Filetstück alle Zeiten ungenutzt lassen? Es findet sich sicher ein Investor, der unserer Innenstadt (ohne vorherigen Bürgerentscheid) noch ein schönes Büro- und Geschäftshaus aus Beton und Glas sponsert, möglichst auf der gesamten Grünfläche. (Doris Wolf, 39122 Magdeburg)
Leben wir hier in Disneyland?
Was haben sich nur einige Leute dabei gedacht, die Ulrichskirche neu zu bauen bzw. zu errichten? Leben wir hier in Disneyland? Es war und ist bedauerlich, dass die alte Pfarrkirche in den 1950er Jahren gesprengt wurde - sie war nur ausgebrannt - hätte also wieder aufgebaut werden können. Aber einigen damaligen Magdeburger Genossen passte die Kirche nicht mehr ins politische Konzept. Doch nun ist das Original seit über 50 Jahren nicht mehr existent und dabei sollte es auch bleiben, denn Magdeburg hat sich in den Jahren städtebaulich neu entwickelt. Da sollten Grünflächen und kleine freie Plätze nicht zugebaut werden - Licht, Luft und Sonne sind ein Gebot der Zeit. Und der Vergleich mit dem Wiederaufbau der Dresdner Frauenkirche hinkt - denn diese Angelegenheit war ein politisches und kulturelles Anliegen von internationaler Tragweite. Das trifft ja für die Ulrichskirche nicht zu. Das gilt auch für die Potsdamer Garnisonkirche usw. Auch heißt es, man wolle den Magdeburgern die Kirche zurückgeben - was aber, wenn die Mehrheit der Magdeburger das gar nicht will? Auch sollte damit Schluss sein, den Stadtrat einseitig zu beeinflussen, indem man nur ihm die Kompetenz der Entscheidung zubilligt. Man kann die vorhandenen Grundmauern der Ulrichkirche freilegen sowie die eventuellen Gewölbe beräumen und ein kleines Museum dort einrichten, natürlich nur in Privatinitiative. Was soll denn werden, wenn beim Bau das Geld ausgeht und eine Bauruine das Gelände ziert - kommt dann der Steuerzahler für den Weiterbau auf oder wird wieder abgerissen? Es wäre wohl sinnvoller für die Stadt, wenn sich die Befürworter für noch vorhandene, aber in Gefahr befindliche, historische Gebäude so vehement einsetzen würden, wie für die Beton-Kopie der Ulrichskirche. Eine Bereicherung und Touristenattraktion ist für Magdeburg durch den Kirchenneubau nicht zu erwarten, sondern Nutzungsprobleme sowie Folgekosten, die der "Verein für den Wiederaufbau" wohl kaum schultern kann. (Günter Adlung, 39108 Magdeburg)
Erinnerung ja, Wiederaufbau nein
Ich bringe für die Idee des Wiederaufbaus der Ulrichskirche wenig Verständnis auf, es besteht meines Erachtens auch keine Notwendigkeit. In Zeiten der Wirtschaftskrise, Abwanderung junger Familien und etliche Kirchenaustritte haben wir in Magdeburg bestimmt andere Sorgen. Die Ulrichskirche mit der Dresdner Frauenkirche zu vergleichen, ist meines Erachtens ein bisschen hoch gegriffen. Vielmehr sehe ich die Notwendigkeit, dass sich private Spender an unserem Wahrzeichen der Stadt Magdeburg und Touristenattraktion, dem Magdeburger Dom, mit einbringen. Auch haben wir in Magdeburg genügend erhaltenswerte Kirchen, die dringend einer Sanierung bedürfen bzw. wo Gelder fehlen, um die nötigsten Instandhaltungsmaßnahmen auszuführen. Wie in der Volksstimme am 25. März zu lesen war, benötigt die Hoffnungsgemeinde dringend einen neuen Glockenturm und neue Glocken. In der Kirche von Groß-Ottersleben und in der Ambrosiuskirche in Sudenburg sind wertvolle Fresken an den Wänden, die nur übermalt wurden. Ich könnte noch sehr viele Beispiele anführen, wo es sich lohnt, in vorhandene Kirchen zu investieren. Sehr gut könnte ich mir vorstellen, dass an dem ehemaligen Standort der Ulrichskirche ein kleiner Pavillon entsteht, der die Geschichte der Ulrichskirche dokumentiert. Das würde in das Umfeld passen und sich durch die Stadt Magdeburg auch vermarkten lassen. (Rolf-Dieter Weske, 39128 Magdeburg)
Winkelzüge, Bluffs und taktische Manöver
In die Debatte um die Ulrichskirche hat sich nun auch Oberbürgermeister Trümper eingebracht. Mit seinem Vorstoß in diesen Passionstagen sorgt er sichtlich für Belebung der Gedanken um dieses kunsthistorische Juwel im Herzen der Stadt. Schon aus früheren Epochen sind etliche Winkelzüge, Bluffs und taktische Manöver von Stadtoberhäuptern überliefert, auch und gerade von den namhafteren. Solches hat wohl schon zu allen Zeiten zur elementaren Handwerkskunst der Ratsherren gehört. Brillant ausgeführt hatte dies in Summe stets die Aufwertung der Stadt zum Ergebnis, wie immer die einzelnen Schritte dahin von den Zeitgenossen auch beurteilt worden sein mögen. Sonst wäre auch Magdeburg nicht das geworden, was es seit über tausend Jahren war, ist und so Gott will, auch bleiben wird. Bei den Diskussionen zur Ulrichskirche ist derart taktisches Repertoire ganz sicher auch mit im Spiel. Stets auf den guten Ruf sowie die Wertsteigerung seiner Stadt bedacht, erkennt gerade der Oberbürgermeister diese Riesenchance im Weltmaßstab, die sich da sogar innerhalb seiner Amtszeit mit der Ulrichskirche in ihrer Einmaligkeit bietet, am allerbesten. Ein Mann mit seiner Erfahrung kennt allerdings auch die derzeitigen Kräfteverhältnisse und das enorme Risiko, das ein Querschläger im Umgang mit dem Thema und der Stadtgeschichte birgt. In- wie Ausland verfolgen jedenfalls zutiefst erstaunt, wie die Stadt Magdeburg aus einer Zeit kultureller Bedeutungslosigkeit nun wieder kraftvoll hervortritt, alle Vorurteile mangelnder Zivilisiertheit oder verbreiteten Fremdenhasses Lügen strafend. Die Magdeburger beginnen allmählich wieder, aus ihrer reichen Geschichte, ihrer europäischen Bedeutung, dem Gefühl einer "alten Hauptstadt" Kraft zu schöpfen. Dieser Stimmungsaufbau, dieses wieder einziehende Flair der geschichtlichen Metropole lässt das Oberhaupt so manch anderer Landeshauptstadt mit Sicherheit vor Neid erblassen. So oder so, der OB wird diese Möglichkeiten für sich und die Stadt zu nutzen verstehen, auch im sicheren Wissen darum, dass sich andere Nutzungen auf den Sockeln der Ulrichskirche ohnehin verbieten. Denn: Zu wertvoll sind die unter dem Rasen befindlichen Gemäuer, zu kostbar sind die in ihnen ruhenden Sarkophage und zu schützenswert all die dort liegenden Gebeine der Vorfahren! Hinsichtlich der Hebung und Würdigung all dieser Schätze stellt sich daher keinesfalls die Frage des "Ob", höchstens die des "Wann"! (Dr. Hermann Kühnle, Magdeburg)
Die meisten haben ganz andere Probleme
Bei aller Diskussion um den Wiederaufbau der Ulrichskirche wurde bisher ein Personenkreis vergessen. Nämlich die Menschen, die um den Ulrichsplatz herum wohnen. Ihre Wohnqualität ändert sich, falls eines Tages ein solch gewaltiger Bau stehen würde. Bevor Entscheidungen gefällt werden, sollte Folgendes geklärt werden: 1. Wer wird einmal der Besitzer dieser Kirche sein? 2. Die Stadt muss mit dem zukünftigen Besitzer vertraglich festlegen, dass er allein die jährlichen Unterhaltungskosten trägt. Vor allem, wenn nach einigen Jahren die ersten Reparaturen anfallen, kann das eine kostspielige Angelegenheit werden. 3. Welche Aufgaben in der Stadt sollte die Ulrichskirche übernehmen? Erst wenn alle diese Fragen geklärt sind, kann der Stadtrat die Entscheidung fällen, ob es zu verantworten ist, in einer Zeit, wo unsere Stadt verschuldet ist, eine solche gewaltige "Nostalgiekirche" bauen zu lassen. Wieweit ein Bürgerentscheid nötig ist, kann ich nicht beurteilen. Ich weiß nur, dass den meisten Magdeburgern andere Probleme unter den Fingernägeln brennen als der Wiederaufbau der Kirche. (Erhard Becker, Magdeburg)
Am Samstag, den 03. April hat das Kuratorium Ulrichskirche von 10-16 Uhr wieder einen Info-Stand in der Goldschmiedebrücke/ Ecke Breiter Weg. Alle Magdeburger und Gäste können sich dort über den geplanten Wiederaufbau der Ulrichskirche und insbesondere das Nutzungs- sowie Unterhaltskonzept informieren.
Im Gespräch mit dem CDU-Kreisverband Magdeburg äußerte sich die Superintendentin i.R. Waltraut Zachhuber über den Wiederaufbau der Ulrichskirche:
Es gibt ernstzunehmende Bestrebungen, die 1956 gesprengte Ulrichskirche wieder aufzubauen. Wie stehen Sie dazu?
Zachhuber: Sechs Innenstadtkirchen und zwei weitere in Stadtteilen, die durch den Krieg unterschiedlich schwer zerstört wurden, wurden zu DDR-Zeiten dem Wiederaufbau einer sozialistischen Industriestadt geopfert. Sie verschwanden völlig, darunter sogar eine, die Heiliggeistkirche, die durch ökumenische Hilfe schon wieder aufgebaut worden war. Das ist eine Unrechtsgeschichte gewesen. Klar, was wir heute an Kirchen haben, ist nach Größe und Anzahl für die evangelischen Gemeinden der Stadt genug. Aber diese Kirchen stehen dort, wo keine Menschen entlang gehen. Und wo die Menschen unterwegs sind in dieser Stadt, befindet sich keine Kirche. Das fasziniert mich an der Idee "Wiederaufbau der Ulrichskirche”. Vielleicht gibt es ja irgendetwas im "Projekt Ulrichskirche", wenn sie denn aufgebaut werden sollte, einen Raum der Stille oder Ähnliches, wodurch die Kirchen mit vor Ort sein könnten. Das wäre mein Traum. Vielleicht bleibt es ein Traum. Vielleicht aber auch nicht. Allerdings engagiere ich mich nicht dafür, sondern leite einen Verein, der eine neue Synagoge fördern will.
(Quelle: Elbkurier. Informationsblatt des CDU-Kreisverbandes Magdeburg. Heft 3/2009 – Dezember; Foto: ebd.)
Am Mittwoch früh zwischen 6:45 Uhr und 8:45 Uhr kommt im MDR-Info-Radio ein Dreiminutenbeitrag über die Ulrichskirche, ausgelöst durch die Trümper-Initiative. Vorstandsmitglied Dr. Sens wurde hierzu interviewt
Spenden bitte für Kinder, nicht für Mauerwerk
Herr Köppe will den Magdeburgern ihre Ulrichskirche zurückgeben und kommende Generationen damit an die Zerstörung der Stadt erinnern. Kommende Generationen? Die jetzige junge Fun-Generation kann sich heute schon kaum noch an die DDR-Zeit erinnern, geschweige denn an die Zerstörung der Stadt. Magdeburg hat genug Erinnerung an die Zerstörung: die ganze Innenstadt ist Erinnerung, die Stalinbauten, das Alleecenter ja selbst das Ulrichshaus! Ohne Zerstörung würde es das alles so heute nicht geben. Ein Bürgerentscheid, der Steuergeld kosten würde, ist überflüssig, wenn unsere gewählten Stadtväter den Mut zu einem beherzten Nein aufbringen würden. Nein zu 30 Millionen Euro. Auch wenn sie aus Spenden und Mitteln der Parteien und Massenorganisationen der DDR aufgebracht werden sollen. Diese 30 Millionen sollten schon für künftige Generationen verwendet werden: Für Kinderkrippen, Kindergärten und Schulen! Werte Spender, macht diese Betreuungsplätze für junge Familien und Mütter bezahlbar, ermöglicht den Kindern ein kostenloses Essen in der Einrichtung und, und, und. Es gibt da vieles zu tun. Da wären die Spendermillionen sehr viel sinnvoller angebracht: für Kinder, nicht für Mauerwerk! (Eckard Konrad, Magdeburg)
Bürgerentscheid soll Bau doch nur verhindern
Die für einen möglichen Bürgerentscheid vorgeschlagene Fragestellung dient ganz offensichtlich in Wahrheit nur einem Zweck: den Aufbau der Ulrichskirche zu verhindern. Diesem Zweck wird ein demokratisches Mäntelchen umgehängt. Wir haben einen guten Vergleich. 2008 fand in Magdeburg die Oberbürgermeisterwahl statt. Stimmberechtigt waren 199 202 Bürger, die Wahlbeteiligung lag bei 35,1 Prozent. Der gewählte OB konnte 64 Prozent der gültigen 69 131 Stimmen, also 44 244 Stimmen für sich gewinnen. Für einen Erfolg bei der Frage nach einem Ja zur Ulrichskirche müssten die Befürworter mindestens 49 800 Stimmen erreichen (25 Prozent der Stimmberechtigten, 5556 mehr als der OB bekam). Wie wahrscheinlich ist dies wohl? Noch ein Aspekt: Es mutet schon sehr merkwürdig an, wenn die Stadt zum Aufbau der Ulrichskirche „nicht einen Cent“ dazugeben will, zur Verhinderung genau dieses Vorhabens aber zigtausend Euro aus Steuermitteln bereitgestellt werden sollen. Für ein Projekt wohlgemerkt, dass von Bürgern getragen wird, die sich freiwillig und ohne die Inanspruchnahme von Steuergeldern für ein schöneres, lebenswertes und attraktives Magdeburg engagieren! Man könnte die Frage auch umdrehen: Sind Sie dagegen, dass die Ulrichskirche ohne Steuergelder wiederaufgebaut wird? Dann müssten nämlich die Gegner die 49 800 Stimmen zusammen bekommen, was genauso unwahrscheinlich ist. Fazit: Die Stadträte mögen diskutieren und entscheiden; dafür wurden sie gewählt. (Wolfgang Wurm, 39175 Biederitz)
Städtebaulicher Akzent, Mahnmal gegen Ideologie
Einen Wiederaufbau der Ulrichskirche würde ich sehr begrüßen. Zum einen würde die Kirche einen großen positiven städtebaulichen Akzent setzen, der weithin sichtbar wäre. Zum Beispiel würde sich jedem Besucher und jedem Zugreisenden schon vom Hauptbahnhof aus ein prächtiges Bild darbieten. Insbesondere könnte zum anderen die Ulrichskirche als Mahnmal gegen Ideologie, Fanatismus und weltanschauliche Vereinnahmung des Menschen und für Pluralismus, Meinungs-, Gedanken- und Religionsfreiheit dienen. Denn es darf nicht vergessen werden, dass die Kirche nicht wegen Kriegsbeschädigung - diese diente nur als Vorwand -, sondern aus rein ideologisch-weltanschaulichen Gründen (Durchsetzung des Staatsatheismus der DDR als einzig gültigen „Glauben“) gesprengt wurde. Die Kirche könnte daher ein Zeichen dafür werden, dass kein System und kein Mensch das Recht hat, einem anderen eine Weltanschauung - seien es Religionen, sei es Atheismus - aufzuoktroyieren, wie es leider noch an etlichen Stellen in der Welt geschieht. Jeder Mensch muss für sichentscheiden dürfen, an was er glaubt oder nicht glaubt. Vielleicht könnten in der Ulrichskirche u. a. auch eine Dauerausstellung und ein lebendiges Diskussionsforum zum Thema Weltanschauungen, Religionen, Ideologien und Ideologiekritik eingerichtet werden, die dem Besucher weltanschauliches Wissen und den Einblick in die verschiedenen Positionen vermitteln, sowie Gespräche, Vorträge, Lesungen, Podiumsdiskussionen und Diskussionen in diesem Bereich ermöglichen. (Joachim Barone, 39104 Magdeburg)
Bei der via crucis (dem Kreuzweg der Kirchen) in Magdeburg am Palmsonntag ist eine Station der ehemalige Standort der Ulrichskirche auf dem Ulrichplatz. Ein großes Holzkreuz wird hierbei durch die Magdeburger Innenstadt getragen. Hiermit wird an die Passion Jesu Christi erinnert. Die Via crucis greift dabei eine alte Tradition der Kirche in Jerusalem und Rom auf.
Der Südturm der Johanniskirche soll für Magdeburger und Touristen noch attraktiver werden: Das Kuratorium für den Wiederaufbau der Johanniskirche will auf der Aussichtsplattform Panoramatafeln installieren, die künftig in alle Himmelsrichtungen auf Sehenswürdigkeiten Magdeburgs und markante Punkte des Umlandes hinweisen. Finanziert werden sollen die Tafeln aus Spenden. Das Kuratorium Ulrichskirche unterstützt diese Aktion unter dem Motto "Tochter hilft Mutter". Bitte spenden auch Sie für die Johanniskirche!
Das Kuratorium Ulrichskirche ist ab sofort über die neue Telefon- und Fax-Nummer (Tel. mit Anrufbeantworter) 0391 / 99 00 865 erreichbar. Die Handynummer 0151 / 50 15 13 70 (mit Anrufbeantworter) gilt weiterhin.
Warum plötzlich diese Eile, Herr Trümper?
Um es vorneweg zu nehmen, ich bin aus vielerlei Gründen eine eifrige Verfechterin des Wiederaufbaus der Kirche. Ich frage aber nun, warum plötzlich diese, eigentlich löbliche Eile des OB in Sachen Ulrichskirche? Warum werden alle anderen fast handstreichartig zumindest temporär quasi ausgebootet? So sehr gut ich es auch finde, wenn die Volksstimme oft früher und besser Bescheid weiß als andere, aber hier hat der OB seinen Rat und seine Partei ganz schön im Regen stehen lassen. Da kann man nur hoffen, dass sie alle die Volksstimme lesen, und das am besten schon sehr früh am Morgen ... Und ich frage mich nun aber auch, was treibt den OB an, unabgestimmt den Weg des Ratsbegehrens für einen Bürgerentscheid gehen zu wollen? Hat denn außerdem der OB nicht ein Herz für Magdeburg, um sich als OB seiner Stadt zumindest emotional zum Wiederaufbau der Kirche zu bekennen? Muss da schon zum jetzigen Zeitpunkt ohne Not ein umständlicher und zeitraubender und vor allem sehr teurer Prozess in Gang gesetzt werden, der letztlich den Stadtrat da entmündigen würde, wo er kompetent wäre als Stadtrat zu entscheiden? Ich sage nein! Erst wenn die gewählten Vertreter der Stadt zu einer Entscheidung gekommen sind, sollte bei dann immer noch bestehendem Bedarf durch die Beteiligten der Weg des Ratsbegehrens bzw. des Bürgerbegehrens für einen Bürgerentscheids erwogen werden. Den Fraktionen des Stadtrates rufe ich deshalb zu, bedenkt die Rolle der Stadt Magdeburg als Ottostadt und die Rolle der Ulrichskirche in diesem Zusammenhang, trefft interfraktionelle Entscheidungen, bringt Beschlussvorlagen ein, zeigt aber auch, dass Ihr als Stadträte das Thema auf Eurem Tisch habt und lasst es nicht zu, dass die Ulrichskirche schon zum heutigen Zeitpunkt aus Eurer Kompetenz herausgenommen wird. (Jana Reffert, 81369 München)
Kuratorium müsste froh über Vorschlag sein
Dr. Trümper trifft mit der Idee des Bürgerentscheids den Nerv der Magdeburger. Es ist nicht nachvollziehbar, wieso der Vorhabenträger von dieser Vorgehensweise irritiert sein will und die Stadt in eine Blockadehaltung rückt. Bürgerentscheide kann man nun mal nicht proben, auch nicht den ersten. Das Kuratorium müsste über die Chance, sein Vorhaben möglicherweise auf eine breite Zustimmung der Magdeburger stellen zu können, froh sein. In Wirklichkeit ist das Kuratorium aber unsicher, ob die Magdeburger die Ulrichskirche überhaupt zurück haben wollen. Hätte ich die Wahl, sollte der Platz frei von jeglicher Bebauung bleiben. Die Rekonstruktion dieser Kirche ist aus meiner Sicht kein städtebaulicher Gewinn. Gerade dies wird mit der bereits erstellten Fotomontage belegt. Einen in jedem Fall zu würdigenden Nutzen vermag ich auch nicht zu erkennen, der nicht auch auf eine alternative Weise zu erzielen wäre, z. B. im Kulturhistorischen Museum. Das öffentliche Schwelgen in guten oder schlechten Erinnerungen kommt Jahrzehnte zu spät und für Attraktivität und Vielfalt dieser Stadt sollte der Blick nach vorn unter Anerkennung der Realitäten gerichtet werden. Das bereits an Ort und Stelle installierte Modell und zweckentsprechend gestaltete Informationen für den Betrachter würden einen kostengünstigen Mittelweg darstellen, der von den meisten getragen werden könnte. Übrigens: Fördermittel sind keine privaten Gelder. Spenden und Zustiftungen schmälern das Steueraufkommen. (Marion Freisleben, Magdeburg)
Kräfte bündeln für die jüdische Gemeinde
Jemand ist bestrebt, durch den Wiederaufbau der Ulrichskirche die Silhouette Magdeburgs wiederherzustellen. Eine Kirche ist jedoch mehr als ein Gebäude aus Stein und Mörtel. Eine Kirche ist ein Gotteshaus. Und ein Gotteshaus dient einer Gemeinde zum Feiern von Gottesdiensten und anderen kirchlichen Anlässen. Der allgemein beobachtete Bevölkerungsschwund und zusätzlich zahlreiche Kirchenaustritte zeugen auf keinen Fall für die Notwendigkeit der Errichtung einer weiteren Kirche. Eine Kirche zu bauen, deren Bestimmung von Anfang an nicht die Gemeindearbeit, sondern vielmehr ein Veranstaltungsort für Konzerte, Ausstellungen o. ä. ist in meinen Augen ein Frevel! Allerdings gibt es in Magdeburg sehr wohl eine Gemeinde, die über kein eigenes Dach über dem Kopf verfügt: die Jüdische Gemeinde. Ihr wurde das Gotteshaus 1938 genommen und durch das starke Anwachsen der Gemeinde in den letzten Jahren gibt es hier Handlungsbedarf.
Warum bündeln wir nicht die augenscheinlich vorhandenen Kräfte, um hier einen kleinen Teil an Wiedergutmachung zu leisten?! Mein Herz und mein Portemonnaie sind für diese Sache jedenfalls offen. (B. Kaiser, Magdeburg)
Projekt soll mit Entscheid begraben werden
Jeder weiß, dass Sie, Herr Trümper, mit Ihrer Entscheidung eine Bürgerbefragung durchführen zu wollen, nicht Ihr tolles Demokratieverständnis offenbaren (sonst hätten Sie zum Stadionneubau, Tunnel, etc. ebenfalls eine Bürgerbefragung angestrebt sondern dieses tolle und für die Stadt Magdeburg gewinnbringende Projekt begraben wollen. Da sich die schweigende Mehrheit, welche sich auch erst nach der Eröffnung des Hundertwasserhauses mit Beifallsstürmen zu Wort meldete, nicht zur Wahl begeben wird, gehen alle, welche sich mit dieser Veränderung nicht anfreunden können, und wir Befürworter zur Wahl. Unter dieser prognostizierten 10-25prozentigen Wahlbeteiligung könnte es dann wirklich knapp werden. Wären alle Nachwendeprojekte mittels Volksentscheid bestimmt worden, würde Magdeburg noch aussehen wie im Jahre 1989. Es ist auch sehr scheinheilig vom OB, die Verantwortung nach unten zu delegieren, damit ihm später keiner vorwerfen kann, er habe das Projekt verhindert. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass dieses Filetgrundstück noch lange so frei aussehen wird. Es dauert nicht mehr lange und auch dort wird ein „toller Glas-Beton-Klotz“ zum Shoppen bereitstehen. Nein danke, dann lieber ein Stück Historie in die „Altstadt“ zurückholen und den Ulrichplatz als wirklichen Ruhe- und Entspannungsort umgestalten, ohne Verkehrslärm. Ich fordere eine politische Lösung mit einer professionellen Bearbeitung des Themas in den Ausschüssen des Stadtrates mit einer anschließenden Abstimmung aller, durch die Magdeburger gewählten, Stadträte. (Björn Bonath, Magdeburg)
Bereits seit Vereinsgründung beschäftigt sich das Kuratorium Ulrichskirche e.V. mit einem Betreiber- bzw. Unterhaltskonzept. Nach zahlreichen Gesprächen kristallisiert sich die Aufstellung von Windkraftanlagen für die Unterhaltung der Ulrichskirche heraus. Deshalb veröffentlichen wir nun unter http://www.ulrichskirche.de/cms/unterhalt.html auch diesen Vorschlag, da er umweltfreundlich ist und auf erneuerbare Energien setzt.
Das Kuratorium Ulrichskirche e.V. arbeitet seit Vereinsgründung fleißig und engagiert an einem Nutzungskonzept, das einzigartig ist. Dazu haben wir in zahllosen Gesprächen Experten aus den Bereichen Kirche, Stadt, Land, Bund, Museum, Universitäten und wissenschaftlichen Einrichtungen nach Alleinstellungsmerkmalen befragt. Die Ergebnisse sind nun unter
http://www.ulrichskirche.de/cms/nutzung.html
ausführlich dargestellt. Dabei kristallisieren sich die Punkte Mitte. Museum. Mahnmal. immer mehr heraus. Die Mitte umfasst den städtebaulichen und geistigen Nutzen, die Identitätsbildung und Citykirche. Im Museumsbereich kann die fehlende musikgeschichtliche Dauerausstellung (z.B. Telemann-Museum) eingerichtet werden, um Städten wie Leipzig und Halle mit ihren Bach- und Händel-Museen ebenbürtig sein zu können. Des Weiteren soll ein Raum innerhalb der Türme als "Schrein für die Magdeburger Centurien" und die "Streitschriften" geschaffen werden, der Magdeburgs Bedeutung als "Unseres Herrgotts Kanzlei" unterstreicht. Die wiedererrichtete Kirche wird von sich aus schon als Mahnmal gegen die Folgen von Krieg und Gewaltherrschaft gelten. Eine Dokumentation aller gesprengten Kirchen in der DDR mit Modellen und Schautafeln stellt die Nutzung auf eine gesamtdeutsche Ebene. Von Landesseite wird ein großes touristisches Interesse an diesem Thema bescheinigt, die Ulrichskirche wird somit zu einem weichen Wirtschaftsfaktor ersten Ranges.
Lasst die Bürger über die Kirche entscheiden
Da sich die Diskussion um eine sehr sensible Stelle in der Stadtmitte dreht, wäre es ein Zeichen gelebter Demokratie, wenn nicht wenige Politiker darüber richten, ob die Kirche gebaut werden soll oder nicht, sondern in einem Volksentscheid die Bürger der Stadt darüber befinden. Ein klassisches Beispiel dafür bietet die Stadt Chemnitz, wo die Bürger darüber entscheiden sollten, ob das Karl-Marx-Kopf-Monument erhalten werden sollte. Die Politiker handelten weise, indem sie den Bürgern der Stadt die Entscheidung überließen. Der Karl-Marx-Kopf blieb erhalten. (Stefan Frank Ahnert, 39108 Magdeburg)
Magdeburg hat genug Kirchen
Warum soll die grüne Insel im Stadtzentrum durch den Bau der Ulrichskirche noch kleiner werden. Kirchen hat Magdeburg genug und die müssen unterhalten werden. Zum Neubau der Ulrichskirche sollte die Bevölkerung der Stadt Magdeburg befragt werden. Ich sehe im Neubau keine Notwendigkeit und ein Anziehungspunkt wie die Frauenkirche in Dresden wird es nie. (H. Grünbeck, 39114 Magdeburg)
Platz sollte in Hingucker bleiben
Als unmittelbarer Zeitzeuge der Tage 16. und 17. Januar 1945 hätte ich dazu viel zu sagen; doch ich will mich beschränken. Ich kann und will mir diesen Platz nicht anders vorstellen. Er ist nicht nur ein „Hingucker“, er bietet auch nach Besuchen in den großen Einkaufstempeln Gelegenheit zur Entspannung und Erholung. Was ist daran zu unverständlich? Unser Wahrzeichen – das Symbol – ist Gott sei Dank immer noch der Dom! Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass für die Nutzung einer weiteren Kirche Geld da ist. Die angedachte spätere Vermarktung ist pure Spekulation. (K. Möwes, 39106 Magdeburg)
Willkürliche Auswahl eines Bürgerentscheids
Es ist sehr schade, dass unser Oberbürgermeister Lutz Trümper seinen eigenen Wählern so wenig Sachverstand zutraut, um entscheiden zu können, ob sie beispielsweise einen Tunnel am Damaschkeplatz, die Straßensperrung für die Zooerweiterung, die Strombrückenverlängerung oder den Anbau an der Lukasklause wollen. Wenn ein Bürgerentscheid zum Thema „Wiederaufbau Ulrichskirche“ zustande kommt, sollte ebenfalls über den Anbau am Museum, die Stadtvillen am Schleinufer, die Brückenverlängerung etc. entschieden werden dürfen, ansonsten kommt mir die Wahl, worüber der mündige Bürger entscheiden darf oder nicht, als sehr willkürlich gewählt vor. (Wolfgang Holmes, 39124 Magdeburg)
Bürger werden für dumm erklärt
Lieber Herr Trümper: Mit Ihrem Kommentar, dass im Fall der Ulrichskirche ein Bürgerentscheid möglich sei, im Fall des Tunnels allerdings nicht, haben Sie inzwischen die Mehrheit der Magdeburger Bürger für zu dumm erklärt, sich mit Hilfe der öffentlich verfügbaren Informationen zum Tunnel eine Meinung zu bilden. Auch dort hätte man nach reiflicher Informationszeit die einfache Frage stellen können: „Wollen Sie, dass ein Tunnel gebaut wird?“ Mehr noch: bei aus unseren Steuergeldern finanzierten Bauvor haben wie dem Tunnel wäre ein Entscheid noch deutlich angebrachter gewesen als bei einem privat getragenen Wiederaufbau der Ulrichskirche. (Georg Ruß, Magdeburg)
Abstimmung unabhängig von eigener Meinung
Ein Bürgerentscheid ist die einzig richtige Entscheidung zu diesem Thema. Ich appelliere an die Stadträte: Ermöglichen Sie diesen Volksentscheid, egal welche persönliche Meinung Sie zum Bau dieser Kirche haben. Hier könnten Sie einmal beweisen, dass nicht nur bei anstehenden Wahlen die Stimmen der Wähler gefragt sind. (H. Schneider, 39110 Magdeburg)
Was für eine Verschwendung
Was für eine Verschwendung von öffentlichen Mitteln! Die vom Oberbürgermeister geforderte Bürgerbefragung, ob die Ulrichskirche gebaut werden soll oder nicht, kann ebenso gut im Stadtrat entschieden werden. Im letzten Jahr haben die Magdeburger ihre Stadträte des Vertrauens gewählt, um Sie in jedweder Hinsicht umsichtig zu vertreten. Nun sollten Sie ihre Verantwortung den Bürgern gegenüber auch wahrnehmen. Solche wegweisende Entscheidung auf das Bauchgefühl des Bürgers abzuwälzen ist wohl kaum angemessen, zumal dann wohl weitere Projekte (z.B. Museumsanbau und Brückenverlängerung) zur Abstimmung stehen sollten. (Erik Malzow, 39116 Magdeburg)
Plötzlich fallen dem OB die Wähler ein
Ist ja toll, plötzlich fallen unserem verehrten Herrn OB Trümper seine Wähler ein, um womöglich einem ihm suspekten Bauvorhaben einen Riegel vorzuschieben, das brave, fleißige Idealisten realisieren möchten. Dieser Kirchenbau kostet uns Steuerzahler keinen Cent und stellt ein klein wenig die geschichtsträchtige Identität unserer altehrwürdigen Stadt wieder her. Wo waren denn die Volksbefragungen bei der Errichtung des Millionengrabes Fußballstadion, des völlig entstellenden Anbaus an unserer Lukasklause usw., die alle aus Steuermitteln bezahlt wurden. (Heinrich Heise, 39108 Magdeburg)
Kostspieliger Neubau ist nur Nostalgie
Als Denkmalpfleger habe ich eine sehr klare Position. Ein Aufbau der Kirche auf noch vorhandenen Grundmauern ist nichts anderes als ein kostspieliger Neubau und deshalb klar und deutlich Nostalgie! Bereits 1996 hatte ich als Mitarbeiter der Unteren Denkmalschutzbehörde zur damaligen Freiflächengestaltung einen Vorschlag gemacht, die neu zu gestaltende Grünfläche geringfügig abzusenken und die Grundmauern und Pfeilerbasen freizulegen, soweit sie noch vorhanden sind. Um die alte Ulrichskirche in ihrer Dimension erfassbar zu gestalten, sollte das Mauerwerk in Meterhöhe aufgeführt werden, ähnlich wie an der Danzstraße. Mit einer entsprechenden Begrünung und Sitznischen würde diese Fläche dann noch mehr zum Verweilen einladen. (Helmut Menzel, Burg)
Abstimmung – das ist der richtige Weg
Sehr gut, Herr Trümper, das ist der richtige Weg. Nachdem die Bürger während des Abrisses kein Mitspracherecht hatten, dürfen sie nun für den Wiederaufbau mitbestimmen. So sollte es häufiger sein. Ich würde für den Wiederaufbau der Ulrichskirche stimmen, als Stück Wiedergutmachung, Verbesserung der Innenstadt und Wiedererrichtung eines wichtigen Kulturgutes. Ich verfolge die Debatte schon seit Längerem und würde mir eine noch größere Publikmachung wünschen. Die ganze Stadt soll darüber reden, denn es geht uns alle etwas an. Ich bin 24, studiere in Erfurt und wünsche mir schon bald bei der Eröffnung der Ulrichskirche zu sein. Ich stimme Ja zum Bürgerentscheid und Ja zur Ulrichskirche. (Florian Selle, Magdeburg)
Nachdem SPD-Stadtrat Olaf Czogalla sich kürzlich grundsätzlich positiv zu einem Wiederaufbau der gesprengten Ulrichskirche geäußert hatte, nannte in der Vorwoche Oberbürgermeister Lutz Trümper einen Bürgerentscheid als einen gangbaren Weg. Karl-Heinz Kaiser sprach darüber mit dem Vorsitzenden des Kuratoriums für den Wiederaufbau, dem Mediziner Dr. Tobias Köppe.
Volksstimme: Was sagen Sie zu dem Vorstoß des OB, einen Bürgerentscheid herbeizuführen?
Tobias Köppe: Das Kuratorium Ulrichskirche e. V. freut sich sehr, dass die Arbeit der vergangenen 29 Monate seit Vereinsgründung offensichtlich sehr erfolgreich war und der Oberbürgermeister unsere Bürgerinitiative nun mit einer klaren Aussage zumindest begleiten will. Ganz grundsätzlich klingt die Idee, die Menschen einer Stadt direkt an wichtigen Entscheidungen für ihre Stadt zu beteiligen, verführerisch. Allerdings besteht die Versammlung aus gewählten Volksvertretern. Dementsprechend spiegelt sich die Meinung der Magdeburger im Stadtrat wider. Wir würden es jedoch sehr begrüßen, wenn sich zunächst der Stadtrat und seine Ausschüsse intensiv mit dem komplexen Thema des Wiederaufbaus der Ulrichskirche und ihrer Nutzung beschäftigen und sich dazu mit ihren Wählern besprechen würde. Sollte dann der Bedarf eines Bürgerentscheids deutlich werden, sollte er denn auch stattfinden.
Volksstimme Aber es ist ein profilbestimmendes Vorhaben für die Stadt und ihre Mitte. Warum also nicht die Bürger befragen?
Tobias Köppe: Da ist grundsätzlich auch nichts einzuwenden. Aber der Gedanke, den ersten Bürgerentscheid der Landeshauptstadt am Projekt Wiederaufbau Ulrichskirche zu erproben und das noch in diesem Jahr, irritiert uns natürlich trotzdem. Dem Verein fehlen schlicht die Möglichkeiten für einen „Wahlkampf“ mit entsprechend intensiver Informationskampagne. Auch unter diesem Aspekt wünscht sich das Kuratorium zunächst die Debatte im Stadtrat.
Volksstimme: Ihr Kuratorium hat am Sonnabend einen neuen Vorstand gewählt. Sicher spielte der OB-Vorstoß zum Bürgerentscheid eine Rolle?
Tobias Köppe: Er stand im Brennpunkt der Diskussionen. Natürlich fragen sich alle Vereinsmitglieder, ob der Vorstoß Trümpers politisches Kalkül ist, ob er die generell spärliche Wahlbeteiligung vor Augen hat und darauf spekuliert, dass ein Bürgerentscheid an mangelnder Teilnahme scheitern würde oder sich die Mehrheiten bei geringer Beteiligung kontra Ulrichskirchenbau formieren. Doch warum sollte Trümper etwas gegen den Bau der Kirche haben? Von der Stadt will der Verein kein Geld – weder für den Bau noch für dessen Bewirtschaftung. Für den Bau wer den Spenden und Fördermittel verwendet, für die Bewirtschaftung werden langfristig Mittel investiert, aus deren Renditen der jährliche Unterhalt bestritten wird. Das Kuratorium will mit seinem Vorhaben den Magdebur gern ihre Ulrichskirche zurückgeben und mit ihr eine aktive Erinnerung an die Zerstörung der Stadt durch Krieg und Ideologie aufrechterhalten, vor allem auch für kommende Generationen.
Volksstimme: In anderen Städten gab und gibt es etwa gleichartige Aktivitäten. Dort gab es auch nicht gleich Zustimmung. In anderen Fällen, so bei der Potsdamer Garnisonkirche, gibt es Konsens mit der Verwaltung.
Tobias Köppe: So ist es. Aber wir wissen von allen Wiederaufbauinitiativen in Deutschland, dass die Aktivitäten und Projekte jeweils kontrovers diskutiert wurden. Auch in Magdeburg waren schließlich die Wiederherstellung der Johanniskirche oder der Bau des Hundertwasserhauses sehr stark in der Kritik. Die Meinungen damals ähneln denen zur Ulrichskirche aufs Haar. Die Frauenkirche hatte anfangs nicht mal 10 Prozent Befürworter in Dresden – ein Bürgerentscheid hätte den Bau verhindert. Heute ist die Frauenkirche und der mit ihr wiedererstandene Neumarkt Touristenmagnet und spült Geld in die Stadtkassen. In Potsdam ist der Wiederaufbau der Garnisonkirche nach langen Jahren privater Initiativen sogar zur Sache von Stadt, Land und Kirche gemacht worden. Ministerpräsident Platzeck, Bundespräsident Köhler und Bischof Huber sind Schirmherren, gerade gab es 2 Millionen Euro aus den wiederentdeckten Mitteln der Parteien und Massenorganisationen der DDR. Beim Stadtschloss Berlin hat die Auseinandersetzung der Stadt mit ihrer historischen Mitte letztlich den Ausschlag gegeben. Dazu hatten sich zwei Fördervereine gegründet. In all diesen Städten standen am Anfang Visionen gegen Misstrauen und Ablehnung. Nie aber haben die Städte die Entwicklungen durch Entscheidungen auf irgendeiner Ebene ernsthaft blockiert, und immer setzten sich die Projekte durch.
Volksstimme: Sie hatten die Garnisonkirche als Beispiel genannt, wo es einen Finanzierungsbeitrag aus den Mitteln der Parteien und Massenorganisationen der DDR gab. Glauben Sie, dass auch das Projekt Ulrichskirche so gefördert werden kann?
Tobias Köppe: In Magdeburg wurden, wie in keiner anderen ostdeutschen Stadt, kulturhistorisch bedeutende Kirchen gesprengt und abgetragen, die der Krieg nur beschädigt hatte – insgesamt waren es acht Pfarrkirchen und zwei säkularisierte Kirchenbauten, davon sechs mittelalterliche Kirchen aus dem 11.-13. Jahrhundert. Die Kirchen wurden in den Jahren 1951-1966 vernichtet. Alle Kirchen waren von Brandbomben getroffen, also ausgebrannt, alle hätten erhalten und wieder aufgebaut werden können. Ihr Verschwinden war eindeutig ideologisch motiviert. Das allein gibt uns die Gewissheit, aus Mitteln der Parteien und Massenorganisationen der DDR gefördert zu werden.
Volksstimme: Der Neubau der Ulrichskirche bis 2017 wird ca. 30 Millionen Euro kosten. Haben Sie schon Geld gesammelt?
Tobias Köppe: Seitdem der Verein im Oktober 2008 die Gemeinnützigkeit zugesprochen bekam, gehen viele Kleinspenden ein. Eine Familienstiftung spendete 10 000 Euro. Wir haben aber erst einmal versucht, Geld im großen Stil einzuwerben, so als dem Land Sachsen-Anhalt Mittel aus dem Vermögen der Parteien und Massenorganisationen der DDR zugesprochen wurden. Hintergrund ist, dass wir an große Stiftungen, Firmen und Priva tiers ohne eine grundlegend positive Aussage der Stadt nicht herantreten wollten. Seit dem 1. Februar arbeitet „Die Spendenagentur“ aus Dresden für das Kuratorium. Das Einwerben von Geldern auf überregionaler, nationaler und internationaler Ebene steht jetzt auf der Agenda.
Der Bürgerentscheid - bloßes OB-Manöver?
"Um es vorweg zu nehmen: Die Grünen in Magdeburg sind selbstverständlich für Bürgerentscheide und stets für mehr Mitsprachemöglichkeiten der Bürgerinnen und Bürger", so Wolfgang Wähnelt, Vorsitzender der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen. "Wir sind aber etwas überrascht, dass der Oberbürgermeister zu einem möglichen Wiederaufbau der Ulrichskirche nun einen Bürgerentscheid vorschlägt. Ist er doch bisher nicht durch positive Voten zu Bürgerentscheiden aufgefallen. Jüngstes Beispiel ist der Fall des von den Linken beantragten Bürgerentscheids zum Tunnelprojekt am Damaschkeplatz. Auch hier haben sich die Grünen vehement für die Einbeziehung der Bürgerinnen und Bürger eingesetzt, allerdings vergeblich gegen eine Mehrheit des Stadtrates und OB." Wähnelt: "Sowohl die SPD, als auch der Oberbürgermeister haben in der Vergangenheit immer wieder gegen beantragte Bürgerbeteiligungsmöglichkeiten votiert. Dabei sei neben dem beantragten Bürgerentscheid zum Tunnel auch an die zum Elbausbau oder zur Teilnahme Magdeburgs an dem europaweiten autofreien Tag erinnert. Alle Vorstöße unserer Fraktion, die Meinung der Bürgerschaft einzuholen, blieben bislang jedoch ohne eine einzige praktische Anwendung in Magdeburg. Da verwundert es doch sehr, dass der OB sich jetzt in Bezug auf die Ulrichskirche so ohne Wenn und Aber für einen Bürgerentscheid einsetzt, obwohl im Stadtrat bisher nicht ein einziges Mal über dieses Wiederaufbauprojekt in der Sache diskutiert wurde. Sollte es sich hierbei um ein taktisches Manöver des Oberbürgermeisters handeln, oder ist er zu späten Einsichten gelangt? "Wir fordern den Oberbürgermeister daher auf, sich nicht nur in Bezug auf die Ulrichskirche so offensichtlich vehement für einen Bürgerentscheid einzusetzen, sondern seine grundsätzliche Position zu mehr Bürgerbeteiligung als politisches Mittel einmal ganz deutlich zu machen. Den Wunsch nach Bürgerentscheiden sollte er auch dort akzeptieren, wo er sich seiner Mehrheiten nicht so sicher sein kann.
"In Sachen Ulrichskirche streben wir zunächst eine inhaltliche Debatte zu den Perspektiven dieses Projektes im Stadtrat an. Dies ist der Ort, in dem das Vorhaben zunächst einmal in allen seinen Facetten beleuchtet werden muss. Wenn aus dieser Diskussion die Notwendigkeit eines Bürgerentscheides erwächst, werden wir diesen konstruktiv begleiten. Bleibt zu hoffen, das der Stadtrat sich nicht vom OB entmündigen lässt und sich mit dem Thema Ulrichskirche in der Sache und natürlich auch mit einem Bürgerentscheid dazu in naher Zukunft ausgiebig und ohne zeitlichen Druck durch den OB befasst." (Pressemitteilung von Wolfgang Wähnelt, Fraktionsvorsitzender)
Nach einem 60-minütigen Vortrag durch den Vorsitzenden des Kuratoriums Ulrichskirche e.V. schloß sich eine rege Diskussion mit zustimmendem Grundtenor an. Am Ende überreichte Dr. Köppe dem Vorsitzenden der Magdeburger Gesellschaft, Hans Schuster, den letzten Ulrichskirchenkalender 2010.
Am Montag, dem 22. März 2010, hält der Vorsitzende des Kuratoriums Ulrichskirche e.V., Dr. Tobias Köppe, um 19 Uhr im Forum Gestaltung in der Brandenburger Straße 10 in der Magdeburger Innenstadt den Vortrag "St. Ulrich und Levin - Geschichte, Bedeutung, Erinnerung, Wiedererrichtung und Nutzung." Gastgeber ist die Magdeburgische Gesellschaft von 1990 e.V. Der Vortrag ist öffentlich für alle Bürgerinnen und Bürger und kostenfrei.
Jährliche Mitgliederversammlung des Kuratoriums Ulrichskirche e.V., zu der alle Mitglieder persönlich per Brief eingeladen wurden (Dauer: 2 Stunden).
Auf der diesjährigen Veranstaltung hielt Vereinsmitglied, Alt-OB und Ehrenbürger der Stadt Magdeburg Dr. Willi Polte eine flammende Rede pro Ulrichskirche, die zu minutenlangen Beifallsstürmen unter der Zuhörerschaft führte. Dr. Polte wies darauf hin, dass viele Bauwerke in der Geschichte der Stadt abgestraft worden wären, hätte man über ihren Bau per Bürgerentscheid befunden. Dr. Polte fragte bewußt:
"Hätte z.B. Bruno Taut seine avantgardistische Architektur in Magdeburg bauen dürfen, hätte man darüber in den 20er Jahren mittels eines Volksentscheides befunden? Heute gelten diese Bauten als Meilensteine der Architekturgeschichte und erfreuen sich größter Beliebtheit. Die Magdeburger Ulrichskirche gehört wie selbstverständlich zu dieser Stadt, ihr Wiederaufbau führt zu einer Unverwechselbarkeit des Stadtzentrums. Darüber sollte der demokratisch gewählte Stadtrat befinden!"
Der Vorstand wurde neu gewählt, es ergab sich eine Erweiterung in den Bereichen Wissenschaft und Forschung (Prof. Dr. Hermann Kühnle), Baufragen (Architekt Uwe Thal) und Internetplattformen (Dennis Hippler). Im Folgenden Bilder des neuen Vorstandes und einiger Mitglieder (Stand 22.03.2010: 142 Mitglieder):
Vereinsmitglied Viola Moore lädt am Freitag, dem 19.3. um 19 Uhr wieder alle Vereinsmitglieder und Interessierten zum Stammtisch in den Ratskeller ein.
Mitglieder des Vorstandes des Kuratoriums Ulrichskirche e.V. besuchen eine Plenarsitzung des Deutschen Bundestages und treffen zusammen mit weiteren ehrenamtlich tätigen Personen den SPD-Bundestagsabgeordneten Burkhard Lischka zu einem Gespräch.
Die Vorstandsmitglieder Ellen Richter und Dr. Tobias Köppe nehmen an der Jahrestagung von Pro Magdeburg e.V. teil. Das Kuratorium Ulrichskirche e.V. ist Mitglied bei Pro M. Wirtschaftsbeigeordneter Rainer Nitsche berichtete über die Fortschritte der Ottostadtkampagne, die das Kuratorium Ulrichskirche e.V. unterstützt.
Wir möchten Sie auf den Planungsstand in Potsdam hinweisen. Hier hat die Stadt das Grundstück bereits einer eigens gegründeten Stiftung übertragen. Es müssen sogar Fahrspuren versetzt werden. Dies wäre in Magdeburg nicht einmal nötig, der Platz für die Kirche steht wie selbstverständlich zur Verfügung, die Breite der Ernst-Reuter-Allee bliebe unverändert. Informieren Sie sich über die erfreulichen Potsdamer Fortschritte auf garnisonkirche-potsdam.org:
"Der Wiederaufbau der Garnisonkirche gewinnt immer mehr Unterstützung. Im vergangenen Jahr trat die „Stiftung Garnisonkirche Potsdam“ ins Leben. Ihr hochrangig besetztes Kuratorium steht unter dem Vorsitz von Bischof a. D. Prof. Dr. Huber und konnte den Bundespräsidenten als Schirmherrn des Wiederaufbaus gewinnen. Zum Jahresende stellte das Kulturministerium zwei Millionen Euro aus Mitteln der Parteien und Massenorganisationen der DDR für den Wiederaufbau in der Hoffnung bereit, „mit dieser Summe eine Initialzündung auszulösen“. Und in der Tat:
Die städtische Bauverwaltung plant, im Zuge des Straßenumbaus wieder auf beiden Seiten Alleebäume zu pflanzen, so daß die Breite Straße bereits hierdurch etwas von ihrer früheren Beschaulichkeit zurückgewinnen wird. Ebenso ist vorgesehen, die „Plantage“ hinter der Garnisonkirche in ihrer früheren Gestalt wiederherzustellen. Wenn etwa im Jahre 2017 der Stadtkanal, das Stadtschloß und die Garnisonkirche – zunächst mit ihrem Turm – wiedererstanden sein werden, wird Potsdams Innenstadt ihr Gesicht zurückgewonnen haben."
Wir beglückwünschen die Potsdamer Initiative zu ihrer Zuweisung und wünschen uns, dass die gesprengte Potsdamer Garnisonkirche - wie auch St. Ulrich und Levin - bis 2017 wiedererrichtet wird. Das Kuratorium Ulrichskirche e.V. hatte sich in 2009 ebenfalls um eine Fördersumme aus den Mitteln der Parteien und Massenorganisationen der DDR bemüht, wurde jedoch in 2009 noch nicht berücksichtigt. Wir sind überzeugt davon, dass auch unsere Initiative nach Klärung der politischen Voraussetzungen berücksichtigt wird. In Potsdam stehen OB, Stadt, Land und Kirche fest hinter der Rekonstruktionsinitiative. Lesen Sie die Nachricht auf der Homepage der Garnisonkirche (http://garnisonkirche-potsdam.org/):
Mit Schreiben vom 21. Dezember 2009 teilt die Kulturministerin des Landes Brandenburg, Frau Dr. Martina Münch, dem Vorsitzenden des Kuratoriums, Herrn Prof. Dr. Dr. Wolfgang Huber mit, dass aus den sog. „Mitteln der Parteien und Massenorganisationen der DDR“ zwei Millionen Euro für Projekte der Stiftung Garnisonkirche Potsdam in Aussicht stehen. Die Mittel stehen für investive Maßnahmen zur Verfügung, die bis zum Ende des Jahres 2011 abzuschließen sind.
Die Kulturministerin schreibt: „… der Wiederaufbau der Garnisonkirche ist ein Vorhaben, das über Potsdam hinaus große Aufmerksamkeit findet. … Ich verbinde damit die Hoffnung, eine Initialzündung auszulösen, die viele Spender und Mäzene zu vielen kleinen und großen Zuwendungen für das Vorhaben motiviert. Ich wünsche Ihnen für Ihr Vorhaben viel Erfolg.“
Kuratorium und Vorstand der Stiftung sowie die Fördergesellschaft sind außerordentlich dankbar für diese Entscheidung. Mit der Förderung aus dem Parteienvermögen der DDR schließt sich im Blick auf die ideologisch motivierte Sprengung der Kirche ein inhaltlicher Kreis. Der Versuch einer endgültigen Beseitigung der wiederaufbaufähigen Barockkirche durch das SED-Regime hat nicht nur die evangelische Kirche und Potsdam, sondern Deutschland insgesamt einer ihrer schönsten barocken Kirchen aus der Zeit Preußens beraubt. Nun besteht die Chance, mit dem Wiederaufbau des Turms zu beginnen. Albrecht Schönherr, der Bonhoeffer-Schüler und Bischof der Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg, protestierte im Mai 1968 mit einem Brief an Walter Ulbricht erfolglos gegen die Sprengung der Garnisonkirche.
Das Kuratorium der Stiftung Garnisonkirche Potsdam hat im Juni 2009 die Arbeit aufgenommen. Anfang Oktober übernahm Bundespräsident Horst Köhler die Schirmherrschaft. Im November konnten Maren Otto und Prof. Werner Otto als Ehrenkuratoren gewonnen werden.
Gemeinsam mit den mehr als 800 Mitgliedern der Fördergesellschaft strebt die Stiftung in einem ersten Schritt die Wiedergewinnung des Turms der Garnisonkirche bis zum 31. Oktober 2017 an.
Die Garnisonkirche soll als offene Stadtkirche, als Ort der Versöhnung und als besondere Symbolkirche Türen zum Glauben öffnen. Diese Kirche bietet sich als ein Ort der Erinnerung, des Gebets und der Trauer für diejenigen an, die einen geliebten Menschen verloren haben, sei es als Soldat im Auslandseinsatz, als humanitärer Helfer in Krisenregionen oder als Journalist im Kriegsgebiet.
An der Garnisonkirche haften ungezählte Erinnerungen und Geschichten, die – um unserer Kinder willen – im kulturellen Gedächtnis aufbewahrt werden sollten. Es gibt keinen besseren Ort, an dem Schülerinnen und Schüler Berlins und Brandenburgs den Zusammenhang von heimatkundlichem Wissen über lokale Ereignisse und weltgeschichtlichen Folgerungen entdecken können. In dieser Kirche können Christen, Agnostiker, Zaungäste und Atheisten gemeinsam ihr Gewissen schulen.
Der Stiftungsvorstand geht davon aus, dass der Wiederaufbau eine im Stadtbild erkennbare Wirkung entfaltet und das unmittelbare Umfeld aufwertet. Sie wird später in einem Atemzug mit dem Hamburger Michel, der Münchener Frauenkirche und der Frankfurter Paulskirche genannt werden und als touristisches Highlight gelten.
Prof. Dr. Wolfgang Huber sagte: „An diesem geschichtsträchtigen Ort soll eine Schule des Gewissens entstehen. Vor Gott und den Menschen wollen wir fragen, worin gesellschaftliche Verantwortung heute besteht.“